Trübes am Himmel, Trübes im Glas

 

Die sozialen Netzwerke sind eine feine Sache: Immer wieder wird man auf kleine lokale Aktivitäten aufmerksam, die nahezu vollständig unter dem Radar der breiten Radöffentlichkeit stattfinden. Von vielen bekommen nicht einmal Nerds viel mit. Das ist von jeher Sujet von fahrstil. Doch längst nicht alles „schafft es ins Heft“, wie Medienmacher das nennen. Und zu manchen dieser lokalen Geschehnisse fährt man einfach mal hin und mit, gar nicht um einer Story willen, sondern aus blankem Spaß an der Freude oder weil es schlicht auf der Strecke lag oder in die Reiseplanung passt. Eine gesunde Mischung all dieser Gründe ließ fs-Herausgeber Gunnar Fehlau am vergangenen Wochenende beim Leipziger Guinness-Giro mitradeln. „Verglichen mit der Austragung im 2015er Indian Summer, waren die aktuellen Bedingungen alles andere als freundlich“, schreibt Gerald, der zum Giro unter anderem via Facebook eingeladen hatte, auf seinem Blog. „Gefahren wird bei jedem Wetter“, hatte er unmissverständlich in der Ausschreibung festgelegt. In aller Konsequenz teilten sechs Radler diese Einschätzung und setzten sie bei 7° Celsius und Nieselregen in die Tat um. Nicht ohne vorher um Punkt 11:00 Uhr im Leipziger Irish Pub „Killywilly“ das erste Guinness des Tages zu genießen.

 

 

 

 

Der Guinness-Geschmack hatte sich kaum vom Gaumen verabschiedet und Leipzig wurde südwärts Richtung Markkleeberg verlassen, da lockerte auch der Himmel auf. Wieder einmal bewahrheitete sich die Weisheit, dass es in der Sorge, Angst und Vorstellung öfter regnet als auf der Piste. Eine Vielzahl von Interessenten hatte kurzfristig abgesagt oder erschien schlicht nicht und verpasste damit eine feine, wenn auch frische Ausfahrt. Logisch, es gab ein paar kühlende Sprüheinlagen, aber die Stimmung war bestens.

 

 

Zur knapp 75 Kilometer-Schleife durch die Seenlandschaft südlich von LE ließe sich eine Menge schreiben, so viele kleine und große Dinge fallen einem auf, wenn man mit dem Renner über die Lande gleitet. Das gilt aber irgendwie für jede Region, sofern die Augen offen und der Geist wach ist. Das schmälert den Reiz von LE und Umland keinesfalls, was hier nur explizit erwähnt wird, um den zwangsläufigen Shitstorm der patriotischen Leipziger in letzter Sekunde abzuwehren. In Erinnerung wird der Hubschrauber im Vorgarten und der Blicke über die Weiten des rekultivierten Tagebaus bleiben. Wermutstropfen der Tour waren die Autofahrer. Einer auf der Zielgeraden nötigte uns Vollbremsungen und einen daraus folgenden Gruppensturz ab: Menschen blieben unverletzt, aber für eine STI-Einheit sollte diese die letzte gewesen sein.

 

 

Mitfahrer Jörg hatte zuvor eine Stickstoff Guinness Schankanlage im Zielbereich (aka „Waldfrieden“) installiert, die knapp vier Stunden nach Abfahrt aus LE nun reichlich genutzt wird: Lecker war es. Und warmherzig! Prost auf den Guinness-Giro!

 

Text und Fotos: Gunnar Fehlau