Die Rückkehr des (Ex-) Yeti-Ritters

Beinahe 20 Jahre lang hat John Parker, Gründer der legendären Mountainbike-Marke Yeti Cycles, nach dem Verkauf von Yeti 1996 und seinem Firmenausstieg wenig später, nichts mit der Bikeszene zu tun gehabt. Damit ist nun Schluss! Parker, ebenso oft mit MTB-Kult der späten 80er und 90er Jahre assoziiert, wie Yeti, präsentierte im Frühjahr diesen Jahres nach fast 20 Jahren Mountainbike-Abstinenz eine neue, kleine Bike-Company – Underground Bike Works. Gleich zwei neue Bikes will das Team um Parker demnächst an den Start bringen, an deren finaler Ausstattung derzeit noch gefeilt wird: ein 27.5- und ein 29-Plus-Hardtail, direkt zu beziehen über Underground Bike Works. Beide Bikes basieren auf einem Alurahmen, sollen, so John Parker, auf maximalen Fahrspaß getrimmt sein und werden in der Nobelversion vom ehemaligen Yeti-Chefschweißer Frank „the Welder“ Wadelton gefertigt. Und es kommt noch besser: Als Testfahrerin konnte Parker Downhill-Legende und Ex-Yeti-Racerin Missy „the Missile“ Giove ins Boot holen. Laut Parker befinden sich bei Underground Bike Works bereits weitere spannende Projekte in der Pipeline. Zeit also für eine kleine Unterhaltung …

Interview: Florian Storch
Fotos: Etienne Butterlin, Thomas Paatz/www.mtb-news.de

 

John, du hattest dich nach dem Verkauf von Yeti aus der Bikeszene zurückgezogen. Warum bist du zurück? Ging es doch nicht länger so ganz ohne Mountainbikes?

John Parker: Hast du einmal in deinem Leben Bikes gebaut, um deinen Lebensunterhalt zu verdienen, steckt dir das für den Rest deines Lebens im Blut. Ich hatte immer Spaß daran, Bikes zu bauen, neue Technologien und Materialien einzusetzen. Genauso wie ich es mochte, neue Designs zu entwickeln. Nachdem ich Yeti 1996 verkauft hatte, arbeitete ich kurze Zeit für die Schwinn Corporation, damals die neuen Besitzer von Yeti. Ich wollte jedoch nicht das Schoßhündchen der Firma sein, das man in mir gesehen hat. Es war einfach an der Zeit für mich, meine Firma zu verlassen. Als ich von Yeti wegging, hatten alle Angestellten einen Arbeitsvertrag, niemand wurde arbeitslos. Ich hing zu der Zeit viel mit Doug Bradbury, dem Gründer von Manitou Suspension (Erfinder der ersten MTB-Elastomer-Federgabel, die Redaktion) ab, und wir kamen zu dem Schluss, dass es die beste Zeit war für mich, zu gehen. Wir hatten Innovationen wie die Federung an den Start gebracht und gemeinsam an ersten Scheibenbremsen gearbeitet. Von da an lag die Verantwortung für neue Produkte nur noch bei irgendwelchen Produktmanagern, die keine Designer und Vorkämpfer waren, sondern nach Asien flogen, um ein Produkt so günstig wie möglich irgendwo fertigen zu lassen. Das war nicht meine Zukunft!

Gleichzeitig muss ich sagen, dass ich über all die Jahre die Tour de France im Fernsehen verfolgt und zu Ex-Racern wie Bob Roll oder MTB-Journalisten wie Jimmy Mac oder Zapata Espinoza  Kontakt gehalten habe. Im Herzen und im Geiste hab ich die Bikeszene also nie verlassen. Ich hab ich die Entwicklung der Szene und Industrie mitverfolgt, lese immer noch Bike-Magazine. Schließlich konnte ich in der letzten Zeit am Strand meiner kalifornischen Heimat Port Hueneme immer mehr Biker auf Fatbikes gesehen. So eins hab ich mir dann auch besorgt, um die 13 km von Port Hueneme bis nach Point Mugu bei Ebbe locker fahren zu können.

 

 Foto: Etienne Butterlin

Foto: Etienne Butterlin

Fotos: Etienne Butterlin

 

Setzt du deswegen an den ersten Modellen von Underground Bike Works konsequent auf die fetten Plus-Schlappen? 

JP: Als ich mich mit Doug Bradbury vor Jahren über wichtige MTB-Innovationen unterhielt, kamen wir beide zum Schluss, dass die Reifen einer der letzten limitierenden Faktoren des Mountainbikes waren und unbedingt einer Veränderung bedurften – deswegen halte ich viel von Fatbike- und 27,5-Plus-Reifen. Ich bin groß und ein echtes Schwergewicht, das sein Gewicht den Berg runterwuchtet und auf herkömmlichen Bikes regelmäßig mit Platten kämpft. Mit der aktuellen Generation von 27,5-Plus- und Fatbikes gibt´s den Schwachpunkt Reifen nicht mehr und die Bikes werden konstant besser werden. Seit dem Frühjahr 2015 hab ich Herz und Seele in unsere Räder gesteckt – und sie kommen bei Ex-Racern sehr gut an.

 

Du hast dich in den letzten Jahren intensiv mit dem Motorrad-Rennsport beschäftigt?

JP: Ja, ich war in den letzten Jahren Teil eines Flat-Track-Rennteams. Auf den kompakten Flat-Track-Rennkursen brettern unsere Fahrer mit bis zu 230 km/h über die kurzen Geraden. Mit unserem Team haben wir in der top Liga gekämpft und da beschäftigst du dich viel mit feinen, entscheidenden Details. Beim Flat-Track-Chassis arbeiten wir zum Beispiel mit einem justierbaren Steuerrohr, das die Montage verschiedener Offset-Einsätze und damit die Veränderung von Gabelvorbiegung und Nachlauf erlaubt. Und meine Erfahrung aus diesen letzten fünf Jahren hab ich in unsere Bikes gepackt, mich auf die optimale Geometrie, den richtigen Radstand und den idealen Sitzwinkel konzentriert. Und die Jungs, die unsere Bikes schon fahren konnten, sind absolut begeistert! Ich liebe Mountainbikes und bin es nicht gewohnt, nicht auf meinen eigenen fahren zu können (lacht).

 

Foto: Thomas Paatz/www.mtb-news.d
Foto: Thomas Paatz/www.mtb-news.de

 

 

Bei Underground Bike Works arbeitest du jetzt ja auch wieder mit Frank „the Welder“ Wadelton zusammen, der die ersten UBW-Prototypen geschweißt hat? 

JP: Genau, wir arbeiten mit meinem alten Partner aus Yeti-Zeiten, Frank „the Welder“, zusammen.   Er wird in Vermont einige unserer Bikes bauen. Frank ist sehr talentiert und ein echter Könner, hat aber nicht die Kapazität tausend Rahmen pro Jahr für uns zu bauen. Ich denke, wir werden wohl um die 200 Rahmen pro Jahr von Frank beziehen, etwa um die 50 Stück alle vier Monate. Man bringt Yeti oft ja nur mit mir in Verbindung und ich erinnere dann immer daran, dass ich bei Yeti in  Chris Herting und Frank zwei tolle Geschäftspartner hatte.

 

Chris Herting wird auch Rahmen für UBW bauen?

JP: Chris betreibt nach wie vor seine Firma 3D Racing in Durango, Colorado, und baut wunderbare Rahmen. Auf diese Weise entstehen rund 150 Bikes pro Jahr. Ich bewundere Chris für seine Fertigkeiten, Designs und seine Handwerkskunst. Wir sind gute Freunde geblieben, aber seine Kapazitäten als reine One-Man-Show reichen nicht aus, um Rahmen für uns zu bauen. Frank betreibt mit seinem Sohn eine kleine Rahmenfertigung, während Chris ein echter Custom-One-Off-Rahmenbauer ist.

 

fahrstil: Wofür stehen deine neuen Modelle, was steht im Fokus hinsichtlich Geometrie und Fahreigenschaften?

JP: Ich hab unsere Plus-Hardtails in punkto Geometrie und Design nach meinen Vorstellungen umgesetzt und dazu mit mehreren Ex-Weltmeistern zusammengearbeitet, wodurch großartige Fahrräder entstanden sind. Was Underground Bike Works anbelangt: Ich habe kein Interesse an einem Raceteam. Was wir damals mit Yeti erreicht haben, war einfach verblüffend und man müsste ein kompletter Idiot sein, zu glauben, dass man an derartige Erfolge noch einmal anknüpfen könnte. Das ist nicht möglich. Mir geht´s nicht um Racebikes mit Custom-Geometrien, sondern um echte Fun-Bikes! Ein Rad, das du fahren willst, weil es dir ein breites Grinsen ins Gesicht malt.

 

Missy Giove
Missy Giove, Foto: Thomas Paatz/www.mtb-news.de 

 

fahrstil: Wer ist der typische Käufer eines Bikes von Underground Bike Works?

Jeder, der top Verarbeitung, Technologie und tolles Design zu schätzen weiß. Ich bin mit meiner zweiten Bikefirma Underground Bike Works nicht mehr interessiert, ein eigenes Raceteam an den Start zu bringen, sondern will dem Mountainbiker ein Rad anbieten, das dir jede Menge Spaß und bestmögliche Unterhaltung garantiert. Und egal, ob du aus Deutschland oder Amerika kommst: Wir sind doch heutzutage oft überarbeitet, haben soviel Stress wie nie zuvor. Deswegen müssen wir unbedingt wieder mehr Erfahrungen in der Wildnis sammeln! Wir müssen raus vor die Tür, auf die Trails und Spaß haben.

 

Underground Bike Works setzt auf ein Direktvertriebsmodell?  

JP: Ja, so, und durch die Modelle, die wir in Taiwan produzieren lassen, ist es uns möglich, preislich mit Branchengrößen wie Specialized zu konkurrieren und zum gleichen Preis bessere Parts anzubieten.

 

 

„Wir müssen raus vor die Tür, auf die Trails und Spaß haben.“

– John Parker, Underground Bike Works