Die Glorreichen Sieben – Butch Gaudy

Wer war zuerst da? Wer hat’s eigentlich als Erster nach Europa gebracht? Fragen, die sich bei der Auseinandersetzung mit der Mountainbike-Geschichte auf dem alten Kontinent stellen. Und ähnlich wie im Mutterland des Mountainbikes gibt es nicht den einen Namen, die eine Antwort darauf – so wie es in den USA nicht allein Gary Fisher oder Joe Breeze waren, die als Erfinder dieser Sport-, Fortbewegungs- und Lebensart gelten dürfen.

Teil 2: Butch Gaudy – MTB Cycletech

 

Sie waren in den 70ern und 80ern Begeisterter Motorradfahrer. Wie kamen Sie zum Mountainbiken?
Wir führten damals ein Biker Motel Resort unweit des Highway 1 in Cazadero (Nordkalifornien), in den Redwood-Wäldern, für Motorradfahrer aus Deutschland und der Schweiz. Die Route 66 auf einer Harley Davidson – damals der ultimative Biker-Trip! Ich war zu der Zeit begeisterter Motorradfahrer und bin dann in Europa durch die Anti-AKW-Bewegung und die Auto-Abgas-Aversion vieler Radfahrer zum Radfahren und durch meine Freundschaft zu Joe Breeze zum Mountainbiken gekommen. Mountainbiking nahm ja in Nordkalifornien schon in den 70ern durch die Dirtbiker auf ihren Clunkern langsam Fahrt auf.

 

 

Das Mountainbike mit „Elektrischem Rückenwind“ hat gut Fahrt aufgenommen, Sie selbst haben sich in den letzten Jahren mit E-Bikes beschäftigt. Gibt’s hier künftig die größten Innovationen?
E-Bikes sind ein komplexes Thema. Ein E-Bike ist näher an einem iPhone dran als an einem Fahrrad. E-Mobility ist eines der Themen, und Apple, die den E-Mobility-Markt dominieren, werden sich sicherlich in Zukunft verstärkt in puncto E-Bike und E-Car engagieren. E-Mountainbikes werden für die Hersteller selbstverständlich werden. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass normale Bikes nur noch etwas für Singlespeed fahrende Puristen werden. Die offene Frage ist, ob die Bike-Hersteller, die ihre Räder mit Bosch-, Brose- oder Shimano-E-Motoren ausrüsten, überhaupt noch eine eigene Markenidentität haben werden, die Emotionen auslöst.

 

 

Stichwort E-Mountainbike: Welche Chancen räumen Sie ihm in den USA ein, nachdem es ja bereits erste E-Bike-Verbote gegeben hat?
In den USA wird sich das ganz von selbst pragmatisch lösen, ähnlich wie das Mountainbiken auf Wanderwegen. Ich selbst war 1989 erstmals im US-Bike-Mekka Moab. Damals teilten wir uns alle Trails, heute haben Benziner, E-Biker und Old-School-Fahrer eben alle ihre eigenen Trails. Noch bieten die USA Platz für alle, hoffen wir, dass das auch weiterhin so bleibt.

 

Was ist die perfekte Laufradgröße?
Ganz offensichtlich kann diese Frage niemand beantworten, deshalb gibt’s ja verschiedene. Ich fahre immer noch mein MTB-Cycletech-Fully „Opium“ – das hat 26-Zoll-Laufräder. Wenn ich mich daran erinnere, was wir damals für ein CAD-Gemurkse hatten, um die korrekte Abstimmung des Hinterbaus zu finden … Ich denke, dass es auch mit den heutigen, verschiedenen Laufradgrößen immer noch die gleichen Kompromisse gibt. Für kleinere Biker, unter 1,70 Meter, sind 29-Zoll-Laufräder auf jeden Fall nicht sinnvoll. In der ganzen Diskussion um Laufradgrößen sind wichtige Aspekte, wie eine bestmögliche Ergonomie des Bikes, völlig außen vor geblieben.

 

 

Ihre Bike-Marke MTB Cycletech stand für hochwertiges, oft einzigartiges Design. Wer oder was macht ein Bike ästhetisch?
Die Designer machen es ästhetisch, Techniker interessieren sich nur für die Funktion. Wir waren mit MTB Cycletech wohl die ersten, die das Mountainbike nicht nur als neue technische Lösung interpretierten. Ein paar Gramm mehr, dafür aber ein schöneres Rad, das war uns wichtiger als ein neuer Rekord auf der Waage. Ästhetik ist nicht auf einer Waage messbar, und so wurden wir denn auch nicht mit den deutschen Herstellern verwechselt. MTB Cycletech war, gewissermaßen, etwas sonderbar – und ist es bis heute.

 

Teil 1: Wolfgang Renner – Centurion
Teil 2: Butch Gaudy – MTB Cycletech
Teil 3: Heinz Günter Sattler – Technobull
Teil 4: Markus Storck – Storck Bicycle