Die Glorreichen Sieben – Heinz Günter Sattler

Wer war zuerst da? Wer hat’s eigentlich als Erster nach Europa gebracht? Fragen, die sich bei der Auseinandersetzung mit der Mountainbike-Geschichte auf dem alten Kontinent stellen. Und ähnlich wie im Mutterland des Mountainbikes gibt es nicht den einen Namen, die eine Antwort darauf – so wie es in den USA nicht allein Gary Fisher oder Joe Breeze waren, die als Erfinder dieser Sport-, Fortbewegungs- und Lebensart gelten dürfen.

Teil 3: Heinz Günter Sattler – Technobull

Heinz Günter Sattler. Keiner, den man unbedingt mit den europäischen Mountainbike-Anfängen assoziiert. Tatsächlich war der Rahmenbauer und Gründer der Bike-Marke Technobull aus dem hessischen Hausen einer der ersten, die sich Anfang der Achtziger mit dem Mountainbike auseinandersetzten. Inspirationsquell war eine US-Reise, bei der er sich mit der Szene austauschte. Beeindruckendes Ergebnis: Schon 1983 bot Sattler sein Ur-Mountainbike „Sherpa“ an. Die feinen, belastbaren Reynolds-501-Stahlrohre lötete Sattler muffenlos, stattete das multifunktional einsetzbare Rahmen-Gabel-Chassis mit Gepäckträgeraufnahmen aus. Auf Wunsch wurde das Rad „für härteste Beanspruchung in schwerstem Gelände“, so Sattler in der Sherpa-Broschüre, wahlweise auch zum erzsoliden Abenteuer-Reiserad, das ordentlich Zuladung vertragen sollte. Damit nicht genug, spendierte Sattler seiner MTB-Kreation eine damals ungewöhnliche, schlagfeste Pulverbeschichtung, setzte für leichteres Manövrieren auf ein markant zum Sitzrohr hin abfallendes Oberrohr. Von den Sherpa-Fahrqualitäten profitierte auch der Reiseautor Arne Körtzinger während seiner Island-Durchquerung 1984.

 

 

 

Optional berücksichtigte Sattler Kunden- wünsche, was ihn zugleich zu einem der ersten europäischen „Custom-made“-Rahmenbauer im Bike-Bereich machte. Fans seiner Marke Technobull – zu denen auch Leichtbau-Guru Hans-Christian Smolik zählte – schwärmen noch heute von hochpräzise gefertigten Technobull-Stahlrahmen. Neben MTB-Rahmen und -Gabeln fertigte Sattler Rennrad-, Tandem- und Reiseradrahmen. Sogar eigene Steuersätze entstanden. In seinem Vor-Fahrradleben Teil der Frankfurter Motocross- und Trial-Szene, entwarf Sattler auch Motorradkonstruktionen. Seine beachtlichen Qualitätsstandards waren sicherlich auch Ergebnis seiner Erfahrungen als Automobilkonstrukteur. Dass MTB-Vorreiter Sattler 1998 nur 59-jährig infolge einer Krebserkrankung verstarb, ist tragisch. Umso mehr, als diese vermutlich durch das jahrelange Einatmen bleihaltiger Dämpfe beim Löten ohne Belüftung ausgelöst wurde. Sattlers Erbe lebt in den urstabilen Fahrmaschinen weiter, die auch heute noch bewegt werden und auf Ebay beachtliche Preise erzielen.

 

Teil 1: Wolfgang Renner – Centurion
Teil 2: Butch Gaudy – MTB Cycletech
Teil 3: Heinz Günter Sattler – Technobull
Teil 4: Markus Storck – Storck Bicycle