Die Glorreichen Sieben – Markus Storck

Wer war zuerst da? Wer hat’s eigentlich als Erster nach Europa gebracht? Fragen, die sich bei der Auseinandersetzung mit der Mountainbike-Geschichte auf dem alten Kontinent stellen. Und ähnlich wie im Mutterland des Mountainbikes gibt es nicht den einen Namen, die eine Antwort darauf – so wie es in den USA nicht allein Gary Fisher oder Joe Breeze waren, die als Erfinder dieser Sport-, Fortbewegungs- und Lebensart gelten dürfen.

Teil 4: Markus Stock – Storck Bicycle

 

 

Erzählen Sie, wie sind Sie mit dem Mountainbike in Berührung gekommen, wann das erste Mal Eines gefahren?
Zum Mountainbiking bin ich über das „Grafter“ von Raleigh gekommen, das war 1980. Mit dem Begriff „Mountainbike“ konnte man damals oft noch gar nicht so viel anfangen, das wurde anfangs als 26-Zoll-BMX verkauft. Die Fahrradhändler standen, nachdem sie mit dem BMX oft recht erfolglos waren, dem MTB skeptisch gegenüber. Entsprechendes MTB-Zubehör war noch Mangelware, weshalb wir zum Beispiel mit Militär-Boots fuhren.

 

Ab wann war Ihnen klar, dass das Mountainbike auch in Deutschland richtig Potenzial hat?
Ich war recht schnell sicher, dass das Mountainbike ein Erfolg werden kann und riet meinem Vater dazu, Bikes ins Sortiment seines Radladens in Frankfurt am Main aufzunehmen. Tatsächlich starteten wir dann recht bald mit dem Verkauf erster Schauff-Bikes, später kam dann der Import von US-Marken dazu, darunter Cannondale, die zunächst nur tolle Packtaschen machten, Anfang der 1980er Rennräder, ehe 1985 das erste Cannondale-MTB folgte – mit 26-Zoll-Vorder- und 24-Zoll-Hinterrad. Klein kam dann 1987 dazu, als ich mich mit meiner eigenen Firma Bike-Tech bereits selbstständig machte. Ein Brakebooster, der sich an unterschiedlich breite Felgen und Reifen anpassen ließ, war das erste Produkt, Bike-Tech-Räder folgten 1987/88.

 

 

Sie haben unter der eigenen Bike-Marke „2-Danger“ Anfang der 90er bereits erste vollgefederte Mountainbikes umgesetzt. Das „Fully“ war damals noch Neuland – was war das Schwierigste bei der Entwicklung?

Eine echte Herausforderung bestand in der genauen Berechnung der Kinematik, wozu Dr. Eric Groß damals den Großrechner der TU Hamburg-Harburg einsetzte. Gleichzeitig machten wir mit einem frühen Fully-Prototypen die Erfahrung, dass der Rahmen trotz aufwändiger Berechnung und Konstruktion leichten Kettenzug hatte. Das entsprach nicht unseren Qualitätsvorstellungen, weshalb der Rahmen so nicht in Produktion ging – trotz 200.000 DM Entwicklungskosten und Umsatzeinbußen, die so verpufften.

 

Ende der 90er/Anfang der 2000er entstand das aufregende Fully „Organic“ aus Kohlefaser. Eher ein Show-Projekt oder das beste Storck-Bike überhaupt?
Nein, das war kein Show-Objekt. Wir haben tatsächlich 325 Organic-Rahmen gebaut und die meisten davon auch verkauft. Das Carbon-Knowhow kam von Thomas Mertin (THM Carbones), Dr. Eric Groß erstellte wieder alle Berechnungen. Die spezielle Viergelenk-Kinematik arbeitete nach dem Prinzip von Norbert Nattefort. Das Organic gewann gleich 2000 den Red Dot Design Award und hat Bikes museumstauglich gemacht. Aber es ging uns natürlich nie nur um gutes Design, denn wenn ein Rad nicht funktioniert, dann merkt das der Kunde irgendwann. Die Funktion stand auch beim Organic ganz klar im Vordergrund.

 

Teil 1: Wolfgang Renner – Centurion
Teil 2: Butch Gaudy – MTB Cycletech
Teil 3: Heinz Günter Sattler – Technobull
Teil 4: Markus Storck – Storck Bicycle