Die Glorreichen Sieben – Gerrit Gaastra

Wer war zuerst da? Wer hat’s eigentlich als Erster nach Europa gebracht? Fragen, die sich bei der Auseinandersetzung mit der Mountainbike-Geschichte auf dem alten Kontinent stellen. Und ähnlich wie im Mutterland des Mountainbikes gibt es nicht den einen Namen, die eine Antwort darauf – so wie es in den USA nicht allein Gary Fisher oder Joe Breeze waren, die als Erfinder dieser Sport-, Fortbewegungs- und Lebensart gelten dürfen.

Teil 5: Gerrit Gaastra – Idworks Bikes

 

 

Das Mountainbike beanspruchte schon früh viel Raum in Ihrem Leben, oder?
Ich bekam Anfang der Achtziger mein erstes MTB, für das ich noch ausgelacht wurde. Später fuhr ich dann während meines Studiums in Kanada Enduro-Motorradrennen und trainierte 86 schon auf dem MTB. 1989 bin ich dann über meinen Job bei der Koga North American Corporation mit meinem ersten MTB-Design, dem Koga „Ridge Runner“, Rennen an der North Shore gefahren und schrieb Artikel für europäische Magazine. Die kanadische Technikphilosophie prägt mich bis heute: Technik muss funktionieren! In den frühen 90ern war ich dann Testfahrer fürs Shimano-Skunk-Team und Worldcup-Amateurfahrer.

 

Eigentlich ist ja Perfektion oft im Leben schwer erreichbar. Sie versuchen es mit Ihren Bikes täglich aufs Neue – ein Kraftakt?
Ja, man macht sich das Leben enorm schwer. Ein möglichst perfektes Rad braucht viel Zeit und Geld – und jedes Problem eine spezielle Lösung. Die verbauten Komponenten sind deshalb sehr aufwändig umgesetzt. Unsere Kettenröllchen aus gehärtetem Messerstahl oder eigene, drei Millimeter dicke Bremsscheiben – alles nach unseren Vorstellungen für eine hohe Lebensdauer angepasst. Eine Herausforderung sind auch die hohen Kundenerwartungen, weil wir die Messlatte so hoch legen. Scheibenbremsen quietschen zum Beispiel bei Nässe, ein Graus für Trekkingbiker. Seit drei Jahren haben wir hier herumgetüftelt – bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Außerdem wollen die meisten Hersteller eher günstiger produzieren und wir machen das Gegenteil. Da ist Überzeugungsarbeit gefragt!

 

 

Elektronische Schaltungen und Antriebe sind auf dem Vormarsch – Mehrheitsfähige Technik oder noch zu anfällig?
Ich denke, die Elektronik hat am Rad Vorzüge, allerdings wird durch Akkus etc. auch alles wieder komplexer, man muss als Fahrer mehr Dinge im Auge behalten. Für Rennfahrer hingegen ist die Bike-Elektronik interessant: Sie kann wertvolle Sekundenvorteile schaffen und der Fahrer muss sie nicht selbst servicen.

 

Was ist ein typisches Idworx-Sorglos-Rahmendetail?
Der aus einem Teil gefräste Lenkeinschlagsbegrenzer, der das Risiko, Oberrohr und Bremsleitungen bei einem zu stark eingeschlagenen Lenker, wie im Sturzfall, deutlich reduziert.

 

 

Sie fahren Enduro-Cross-Country-Rennen und beschäftigen sich mit Motorradtechnik. Kann das MTB vom Motorrad (noch) lernen?
Ja, auf jeden Fall. Wir entwickeln auch Teile für Enduro-Motorräder. Die speziellen, flexenden Lenker aus dem Motorradbereich etwa funktionieren dort im Gelände zwar nicht so gut, aber sie können die Handgelenke von Radfahrern schonen! Deswegen sind sie optional für unsere Trekkingbikes verfügbar. Auch in meiner Tätigkeit als Fahrradtechnik-Berater ist das Motorrad sehr hilfreich – sei es für die Schwalbe-Reifenentwicklung oder für die Brose-E-Enduros.

 

Sie haben sich mit Idworx dem perfekten Bike verschrieben. Wenn es nichts mehr zu perfektionieren gibt, sind dann auch andere Tätigkeitsfelder denkbar?
Ja! Den Motorradbereich kann ich mir auch vorstellen. Allerdings wird auch im Radbereich immer viel zu tun sein. Eigene Ideen zu haben wird dabei immer wichtiger. Ebenso wie ein schlüssiges Gesamtkonzept und die penible Abstimmung aller Teile aufeinander. Aber das Motorrad kann auch vom Fahrrad lernen, Stichwort Motorrad-Rahmengrößen: Die sind für alle Fahrer gleich und als großer Mensch muss ich an meiner Enduro immer etwas basteln, bis alles passt. Da macht es sich die Fahrradindustrie mit vielen verschiedenen Rahmenhöhen Gott sei Dank deutlich schwerer.