Die Glorreichen Sieben – Hans Schauff

Wer war zuerst da? Wer hat’s eigentlich als Erster nach Europa gebracht? Fragen, die sich bei der Auseinandersetzung mit der Mountainbike-Geschichte auf dem alten Kontinent stellen. Und ähnlich wie im Mutterland des Mountainbikes gibt es nicht den einen Namen, die eine Antwort darauf – so wie es in den USA nicht allein Gary Fisher oder Joe Breeze waren, die als Erfinder dieser Sport-, Fortbewegungs- und Lebensart gelten dürfen.

Teil 7: Hans Schauff – Schauff

 

Wie wurden Sie damals eigentlich auf’s Mountainbike aufmerksam?
In den 70ern fertigten wir sehr viele Fahrräder für US-amerikanische Kunden und besuchten jedes Jahr die International Cycle Show in New York. Damit waren wir immer nah dran an den neuesten Trends und fertigten schon 1974 aus dem „Highriser“ weiterentwickelte BMX-Bikes für die USA. Im BMX-Sport gab’s ja die 20-Zoll-Bikes und die 24er- sowie 26er-Cruiser-Modelle. Beeinflusst durch die BMX-Bikes, die US-Anfragen und erste Bikes in den USA, bauten wir im Sommer 1981 erste Muster-Bikes. Das erste Geländerad stellten wir dann als „Jeep auf zwei Rädern“ auf der ISPO München vor. Bei den deutschen Kunden kam es nicht wirklich an, aber dank unserer guten Auslandskontakte fertigten wir bald Mountainbikes, insbesondere für den britischen Markt. Einer der größten Kunden war Muddy Fox.

 

Warum waren Sie sicher, dass das MTB in Europa Karriere macht?
Dass das Mountainbike sich als Offroader gegen alle Pessimisten durchsetzen wird, dessen waren wir uns schon früh sicher. Schließlich wurden die Straßen immer voller und gleichzeitig schlechter, sodass man sicher und ungestört nur auf Feld- und Waldwegen unterwegs sein konnte. Schwierig war es aber, den Fachhandel davon zu überzeugen. Oft waren es Sportgeschäfte, besonders aus der Windsurf-Szene, die sich für die Mountainbikes begeisterten. Um das MTB zu promoten, luden wir schon 1985 zum 1. Velo Schauff Offroad Cup.

 

 

 

 

 

Mit Schauff haben Sie in den 80ern und frühen 90ern technische Akzente gesetzt, etwa mit dem ersten Carbon-Fully „Suspac“, 1994. Rückblickend: Was war die wichtigste Schauft-Entwicklung?
(Lacht) 1992 kam ein Mediziner von einer großen Orthopädieklinik auf uns zu. Ob wir ihm nicht ein Bike für seine Patienten in der Bandscheiben-Reha bauen könnten. Die sollten Rad fahren, aber gängige Räder waren zu unergonomisch. Wir haben ihm dann ein paar Prototypen auf Basis des „Gran Canyon“ gebaut, die von den Klinikpatienten getestet wurden. Ergebnis war das „Ischia“, das als „Bandscheibenrad“ bekannt wurde.

 

Das meistverkaufte Mountainbike der Schauff-Geschichte?
Schwer zu sagen, schließlich wurden die meisten Mountainbikes noch im Papierzeitalter gefertigt und da hebt man nicht alles länger als zehn Jahre auf. Aber ein MTB mit Straßenausstattung, das „Djungle“, hatte schon weit vor 1990 die 100.000er-Marke überschritten.