Unterwegs im Elsass – Marbods Rennbericht von „Les 3 Ballons“

Wie von mir im Vorfeld vermutet befand sich am Ballon d´Alsace ein Mann auf gleicher Höhe, auf dessen üblen Geruch ich hier gar nicht eingehen will, weil dies lediglich als menschliche Schwäche ausgelegt werden darf, doch dieser Mann fuhr ein richtiges Scheißrad, ließ seine Beinbehaarung munter im Wind wehen und hatte auf dem Helm eine eigenwillige Klapp-Sonnenbrillen-Konstruktion Marke Eigenbau installiert. Natürlich war er mit auf dem Bild an der offiziellen Fotostelle.
Text und Fotos: Marbod Jaeger

 

 

So ein Jedermannrennen oder Cyclosportiv lässt sich immer in drei bis vier Phasen einteilen.

Phase 1 ist die Startaufstellung, wo man ausschließlich umgeben ist von übergewichtigen und untrainierten Hobbyradfahren, dass man sich schon auf der falschen Veranstaltung wähnt.

Phase 2 tritt unmittelbar nach dem Start ein. Die Hobbyfahrer sind urplötzlich alle verschwunden, man rast möglichst weit vorne in einem schnellen Peloton über kleine holprige Landstraßen und um scharfe Kurven durch enge Dörfer. Ständige Antritte, häufiges abruptes Abbremsen, Hektik, Geschrei  und auch Stürze sind Merkmale dieser heißen Phase.

Am ersten längeren Anstieg beginnt Phase 3. Nun ist man nur noch in einer kleinen Verfolgergruppe unterwegs. Auf Windschatten braucht man nicht mehr zu hoffen. In dieser Phase hat man ausnahmslos Lutscher im Schlepptau. Später tritt eventuell noch Phase 4 ein, dass man nämlich ganz allein auf weiter Flur unterwegs ist, weil die Lutscher an der letzten Verpflegungsstelle angehalten haben um Kuchen und Cola zu konsumieren.

Aus trainingstechnischen Gründen zur Vorbereitung auf die Transalp hatten Marion und ich uns nur für die Mediofondo genannte 125 km Kurzstrecke angemeldet. Zumal man von der Bergankunft La Planche des Belles Filles, wo dieses Jahr auch die Tour de France Station machen wird, noch satte 50 km (unausgeschildert!) zurück zum Startort Luxeuil-les-Bains fahren durfte. Sofern man nicht für 20,- € den Shuttlebus als Rücktransport gebucht hatte. Der Bus war dann sicherlich gerammelt voll mit stinkenden Gümmelern, auf deren Eintreffen im Ziel man noch ewig hätte warten dürfen, damit diese dann entnervt vom anstrengenden Tag ihre tonnenschweren Fahrräder beim Einladen rücksichtslos auf unsere Carbonfeilen werfen. Warten wollten wir darauf nicht. Auch nicht auf die Siegerehrung. Marion wurde Gesamt 3. und 1. ihrer Altersklasse. In meiner AK wurde ich trotz meiner Helferrolle sogar noch 10.

 

Man muss nur alt genug werden. Alt genug um vernünftig zu sein, wird man allerdings nie.

Ich denke darüber nach, mal wieder eine Randonneursfahrt zu unternehmen und nonstop mit dem Rad zu nach Brüssel zu fahren. Und die angedachte private Ötztaler-Runde in diesem Juli ist auch noch nicht vom Tisch.

Mit so einer Klappbrille am Helm könnte ich zügig unterwegs sein. Und wer weiß, ob die Aerodynamik mit zotteligen Beinhaaren nicht sogar besser ist?

Ich freue mich schon auf die Transalp. Sie werden wieder alle da sein. Und auch Team fahrstil wird ganz bestimmt auffallen.