Erweiterung des Jagdreviers – Acht Jahre Light-Wolf

Felix Wolf baut individuelle Laufräder. Und das schon seit über zehn Jahren. Angefangen hat alles mit dem Schülerpraktikum im Radladen, später baute er Laufräder in der Studenten-WG. Im August 2017 feierte Light-Wolf nicht nur das achtjährige Firmenjubiläum, sondern startete mit der Eröffnung des „Studios für Laufradbau und Radanpassung“ die nächste Zündstufe: Neben Laufrädern werden nun auch komplette Bikes angeboten. Zur räumlichen Erweiterung hat auch das Light-Wolf-Team Zuwachs bekommen. Mit Basti ist ein weiterer Lauf- und Radbauer hinzugekommen und damit das Traumrad auch perfekt passt, übernimmt Tilo die Radanpassung. fahrstil war bei der Eröffnung in Dresden zugegen und konnte dem Light-Wolf ein kleines Interview entlocken.

 

 

 

fahrstil: Erzähl uns doch kurz wie es angefangen hat. Was hat dich zum Laufradbau gebracht?
Felix Wolf: Im Grunde genommen sag’ ich immer: Wie die Jungfrau zum Kinde, ganz klassisch das Hobby zum Beruf gemacht. Mit einem Schülerpraktikum in der 9. Klasse in einem Fahrradladen in Hannover hat wohl alles begonnen. Nach dem Praktikum wurde ich direkt mit ins Inventar übernommen und habe einen Schülerjob angeboten bekommen. Schon damals bin ich unglaublich viel Rad gefahren, konnte mir zusätzlich in der Werkstatt ein bisschen was dazu verdienen und bin gleichzeitig an Teile rangekommen – für mich der Idealfall. Ich habe jedoch bald festgestellt: Nur Werkstatt ist langweilig, der Verkauf dazu ist eine schöne Kombination. Scheinbar konnte ich auch ganz gut verkaufen und mich im Radladen einbringen und neue Impulse setzen.

 

Wie ging es dann weiter?
Während meines Studiums in Dresden habe ich viele Laufräder gebaut – für mich und für Bekannte. Das Studium – natürlich Maschinenbau – hat eine Menge gebracht, sodass ich mir viel Praktisches aus der Theorie erschließen konnte und somit ein ganz anderes Verständnis entwickelt habe, als nur das einschlägige Werk „Kunst des Laufradbaus“ zu lesen. Nach sechs Semestern stand ich jedoch vor der Entscheidung, ob ich das, was ich mir nebenbei aufgebaut hatte, offiziell weitermache oder ob ich noch alle Scheine nachhole, die noch offen sind. Ihr seht ja, wofür ich mich entschieden habe. Schon während des Studiums habe ich die Domain angemeldet und von meiner Studenten-WG aus auf 28 m² Laufräder gebaut und verkauft. Gelebt habe ich zwischen Kisten und Kartons. Ein halbes Jahr später bin ich ein kleines Büro umgezogen, das aber auch nicht viel größer war – jetzt sind wir auf ca. 280 m². Das Ganze ist einfach konstant und natürlich gewachsen. Nie gab es einen Investor der gesagt hat: Hier ist das Geld, mach mal dies, mach mal das.

 

Warum ist ein individuelles Laufrad besser als ein Systemlaufrad von der Stange? Und sagen wir, ich bräuchte einen Satz von dir. Wie läuft das ab?
Wie du schon sagst: Weil es individuell ist. Weil man die Möglichkeit hat auf die Eigenheiten des Fahrers zu reagieren. Ist er schwer oder leicht ? Hat er ’nen harten Antritt oder einen weichen? Ist er eher ein Rouleur der durch die Gegend kullert, oder jemand der es besonders aerodynamisch braucht?
Das Ganze läuft so ab: Du rufst mich an, schreibst mir eine E-Mail oder stehst direkt vor mir und ich frage dich nach Gewicht, Größe, etc. Was willst du damit fahren? Letztendlich muss man ja heutzutage auf die ganzen technischen Parameter wie Radgröße, Einschlussmaße oder Achsmaße eingehen. Zusätzlich kommen dann Fragen nach einer speziellen Farbe oder ob es einem wichtig ist, dass der Freilauf besonders laut ist. Alle diese Sachen sind wichtig, um aus einem großen Sortiment in meinem Kopf die Auswahl einzugrenzen, um irgendwann den Fokus auf das Laufrad zusetzen, welches am besten passt und dir am besten gefällt. Und vor allem: Das bessere Laufrad ist nicht immer das leichtere.

 

 

Zusätzlich bietet ihr jetzt Bikefitting (Radanpassung) an. Zusammen mit Kompletträdern und einem Produktsortiment die logische Fortführung zum Laufradbau?
Richtig. Wie beim Laufrad verhält sich jeder Fahrer unterschiedlich auf dem jeweiligen Rad. Er unterscheidet sich in Körperbau, Gewicht, Fahrweise und allgemeinem Leistungsstand. Dementsprechend sind auch die ergonomischen und technischen Anforderungen von Person zu Person unterschiedlich. Zunächst wird gemeinsam die Ergonomie der einzelnen Komponenten des Rades wie Sattel, Lenker und Pedale ausgerichtet. Im Weiteren werden diese dann optimal und individuell an den Körperbau angepasst. Tilo ist ein echter Fachmann, er hat lange bei einem großen Hersteller aus Kalifornien im Bereich Radanpassung gearbeitet. Das war im Grund genommen der Schlüssel. Somit hatten wir die Möglichkeit, noch weiter einzusteigen, noch einen weiteren Hebel anzusetzen. Wir können einfach mehr bieten als nur: „Du brauchst einen L-Rahmen, du vielleicht einen in M“. Wir haben uns lange mit der Idee und der Planung auseinandergesetzt und jetzt starten wir.

Zu den Produkten: Es ist nicht das Ziel, die Produkte in großen Mengen rauszuhauen. Viele Produkte sind auch Beiwerk, also Herzensprojekte von Freunden, wie z. B. die Trikots von Rvmble oder die Taschen von Fellowbags. Meistens ist man auf dem Rad ja mit Freunden unterwegs, so war beim die diesen Produkten die Brücke zum Business schon geschlagen und wir haben jetzt die Möglichkeit, diese hier zu präsentieren und zu verkaufen. Und spätestens wenn man dann auf Micro-Adventures und/oder Gravel-Touren geht, merkt man schnell, dass man auch recht viel Ausrüstung braucht.

Vielen Dank für das Gespräch und die Limo. Alles Gute für das nächste Kapitel!

 

Text: Tobi Hemmer, Fotos: Micha Ziegler

 

Die Adresse:

Light-Wolf Laufradbau
Hermann-Mende-Str. 5-7
Gebäude 317
01099 Dresden

www.light-wolf.de