MEET MOOTS – from Steamboat Spring to Heidelberg

Titan – der Stoff aus dem Traumräder sind. Kein anderes Rahmenmaterial schart weltweit eine so treue Gefolgschaft um sich, wie das Element mit der Ordnungszahl 22. Und kaum eine Firmengeschichte ist wohl enger mit eben diesem Edelmetall verzahnt, als die von MOOTS, der Kultschmiede aus Steamboat Springs, Colorado. Ok, wem das jetzt ein wenig zu viel der Lobhudelei ist – fast hätte ich gesagt, zu dick aufgelötet – dem skizziert unser Lobbymeter die Hintergründe an – fünf volle Gläser: Dass sich Moots und fahrstil in der, manchmal recht überschaubaren, Radszene früher oder später über den Weg laufen, ist kein großer Zufall. Noch weniger wenn die jeweiligen Ansprüche an Qualität und Ästhetik, als auch Themen und Herangehensweisen große Schnittmengen zeigen. Auch wenn die einen Räder bauen und die anderen, diese zu Papier bringen. So zählt MOOTS seit diesem Jahr zu den Anzeigenkunden des Magazins und ich habe eine Menge Spaß mit dem Vamoots CR. Das Highlight war sicherlich der Besuch von MOOTS im fahrstil Klubhaus in Heidelberg mit Social Evening und Gravel Ride. 

 

Text und Fotos: Micha Ziegler

Seit 1981 baut MOOTS in Steamboat Springs, Colorado Fahrräder in Handarbeit. Nachdem in den ersten zehn Jahren ausschließlich Stahlrahmen gefertigt wurden, präsentierte MOOTS auf der Interbike 1991 den ersten eigenen Rahmen aus Titan. Schon fast wie auf Knopfdruck wurde die Produktion auf das neue Material der Wahl umgestellt, so dass man heute auf mehr als 25 Jahre Erfahrung mit dem Metall blicken kann. Wenig verwunderlich, dass sich die Heidelberger fahrstil-Fraktion Löcher in den Bauch gefreut hat, als Jon und Matt von MOOTS ihren Besuch für den August angekündigten. Auf dem Weg an den Bodensee – MOOTS hat dort auf der Eurobike ausgestellt – biete sich ein Zwischenstopp im fahrstil Klubhaus ja geradezu an. Gesagt, getan!

Am Vor-Messe-Freitag durften wir also Jon Cariveau, zuständig für das Marketing und seit über 20 Jahren dabei, und Matt Alford, den Leiter des internationalen Vertriebs, in Heidelberg willkommen heißen. Die Begrüßung ging direkt in einen kleinen Schrauber-Workshop über, da die beiden beim Aufbau ihrer Bikes sogleich die ersten Fragen der interessierten Gäste beantworteten. Jon brachte sein für 32mm-Bereifung optimiertes Rennrad mit nach Europa, Matt hatte seinen praktischen Reisebegleiter dabei – ein Routt 45 mit S&S-Couplings. Als drittes Rad wurde noch ein Routt RSL Demo-Bike aus dem schwarzen Leih-Van gehievt. Schöne Räder! 

Den offiziellen Teil des Abends eröffnete ein noch unveröffentlichter, fünf Minuten langer Image-Film, der tolle Eindrücke aus Steamboat Springs vermittelte. Danach sprachen Jon und Matt im Wechsel über die Geschichte von Moots, was ein Moots ausmacht, den Werkstoff Titan, sowie die neuen Modelle, eloxierte Schriftzüge und Customizing-Optionen. Auszüge des Tech-Talks möchte ich hier gerne im eigenen Wortlaut wiedergeben:

Bevor die Rahmen der RSL-Modelle (steht für Race Super Light) geschieht werden, schickt MOOTS die verwendeten Rohrsätze zu den Metallexperten von Reynolds in England, wo sie innenseitig konifiziert werden. Sprich, mit Spezialwerkzeugen wird in der Mitte des Rohres die Wandstärke reduziert, also Gewicht eingespart. So erhält man den ursprünglichen Außendurchmesser des Rohres und garantiert ein optimales Verhältnis zwischen Gewicht und Steifigkeit. Für einen in Europa erworbenen RSL bedeutet die Auslieferung des Rahmens oder Rades den dritten Trip über den großen Teich. 

Das von MOOTS verwendete Titan kommt übrigens aus zwei verschiedenen Minen in den USA. 

Die Jahresstückzahl der in Steamboat gefertigten Rahmen liegt im niedrigen vierstelligen Bereich. Jeder dieser Rahmen wird von einem von drei hochqualifizierten Schweißern fertig gestellt. „Jungs mit diesen Qualitäten findet man nicht an jeder Ecke,“ fügte Jon im Vortrag hinzu. Beim Schweißen folgen sie einem ausgeklügelten „Weld Plan“, der exakt vorgibt welche Nähte in welcher Reihenfolge gezogen werden. Gerade hier kann man sich auf die langjährige Erfahrung mit Titan verlassen. Würde man erst die eine und dann die andere Seite schweißen, wäre die entstehende Hitze viel zu konzentriert und es käme zu Verwindungen im Rahmen. 

Das oben angesprochene Routt RSL Demo-Bike zeigt gut wie MOOTS mit der Thematik Flat Mount umgeht, also wenn die Scheibenbremse durch den Rahmen geschraubt wird. Ein in der Form so komplexes Teil wie das Ausfallende aus dem Vollen zu fräsen, würde nicht nur die Maschinen extrem lange belegen, sondern auch für erheblichen Materialausschuss sorgen. Also entschied man sich bei MOOTS, die neuen Drop-Outs im 3D-Druckverfahren herstellen zu lassen. Der hierbei eingesetzte Material-Mix besteht aus 90% Titan, 6% Aluminium und 4% Vanadium. Das Ergebnis ist ein stabiles und leichtes Bauteil, das eine haargenaue Ausrichtung garantiert. Auch lassen sich Ösen für Schutzbleche oder der Kanal für die Di2-Leitung direkt mit „eindrucken“. 

Nach einem Schwenk durch die aktuelle Modellpalette – ein Highlight ist das 29“-Race-Hardtail Mooto X RSL im Aufbau mit goldenen Tune-Teilen – gingen die beiden noch auf die Finishing-Optionen ein. War ein MOOTS früher oft an den weißen Decals zu erkennen, gibt es heute viele Möglichkeiten der Individualisierung. Neben den klassischen Aufklebern, lassen sich die Schriftzüge ebenso polieren oder strahlen – neu dazu gekommen sind die fünf Eloxal-Farben Frost Blue, Grape, Rose, Rocky Mountain Gold oder Root Beer Brown. 

Nach den entspannten Erzählungen der beiden, gab es noch eine Reihe an interessanten Fragen der aufmerksamen und fachkundigen Zuhörer. Nicht nur der Wissensdurst war damit gestillt.

Am nächsten Tag ging es noch auf eine knackige Gravel-Tour um Heidelberg. Nach eher trübem Wetter an den Tagen davor, knallte die Sonne so richtig runter, was die ca. 60 Kilometer und 1.300 Höhenmeter nicht gerade entspannter gestaltete. Es gab aber reichlich Schatten auf dem ausgewogenen Mix aus Schotter- und Forstwegen, Singletracks sowie hin und wieder einem Stückchen Asphalt. Für unsere amerikanischen Gäste haben wir natürlich auch alle Attraktion und Aussichtspunkte eingebaut. Erst ging es über den Philosophenweg auf den Weißen Stein, von dort zum Teltschik-Turm mit seiner atemberaubenden Rund-Um-Sicht, dann auf eine kleine Odenwald-Schleife bis nach Lampenhain und langsam wieder zurück in Richtung Neckartal. Am Ende wartete mit Königstuhl noch mal ein knackige Kletterpartie. Die grandiose Aussicht und die Trails hinab haben für die Mühen entlohnt. Abschließend haben die Jungs und Mädels im Klubhaus noch den Sandwich-Grill angeschmissen. Dazu ein Radler – what a day!

 

Wir danken allen, die dabei waren – ganz besonders natürlich Jon und Matt! It was a pleasure! – und freuen uns auf alle, die beim nächsten Event zum ersten mal dabei sind.

 

 

Ach ja, und wer Interesse an einem MOOTS hat, meldet Euch doch einfach mal.
Vielleicht können wir da was machen 😉