Mit Energie in die neue Saison

Die Tour d’Energie in Göttingen ist jedes Jahr das erste Rennen des German Cycling Cups dar und auch für mich war es das erste Rennen im Jahr 2018. Ja, im Prinzip sogar mein erstes Rennen überhaupt. Die Vorfreude war dementsprechend groß, vom Gefühl her war ich ganz gut in Form und das Wetter versprach warm und sonnig zu werden. Mein Ziel: So weit wie möglich nach vorne arbeiten, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 37km/h und unter drei Stunden Fahrtzeit für die 100 km-Tour.

Text und Foto: Frederik Böna

Der Startschuss war für 9:50 Uhr terminiert. Nachdem ich zuvor eine halbe Stunde gemütlich eingerollt war, stellte ich mich um 9.30 im Startblock auf, aß einen Riegel und wartete auf den Start. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass alle Fahrerinnen und Fahrer gemeinsam starten würden, allerdings wurden die einzelnen Startblöcke ab 9:50 Uhr in Intervallen ins Rennen geschickt – jeweils angeführt von einem Begleitfahrzeug. Das Rennen war zudem bis zum Roßdorfer Kreisel neutralisiert, d.h. erst ab dort durfte überholt werden.

Nachdem ich gestartet war, stellte ich fest, dass ich bereits bei der Aufstellung einen Fehler gemacht hatte: Ganz rechts am Rand zu starten ist definitiv keine gute Idee! An das Überholverbot während der neutralisierten Phase hielt sich nämlich nahezu niemand. Eingekeilt zwischen langsamen und vorsichtigen Fahrern wurde ich immer weiter nach hinten durchgereicht. Meine verzweifelten Versuche, irgendwie nach links auszuscheren, führten nur dazu, dass ich nicht mitbekam, dass wir den Roßdorfer Kreisel längst hinter uns gelassen hatten.

Als es mir dann endlich gelang, hatte ich deutlich mehr Fahrer vor mir, als vor dem Start. Bei meiner Aufholjagd merkte ich jedoch schnell, dass ich gute Beine hatte und war bald von anderen Fahrern umgeben, die mit mir zusammen arbeiteten. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass es nach dem hektischen Start irgendwann ruhiger werden würde, sobald ich mich erst einmal in einer einigermaßen homogenen Gruppe befände. Doch im Laufe der Zeit stellte ich fest, dass ich im Prinzip von Anfang an immer wieder in den roten Bereich gehen musste. Die Gruppe, in der ich mich nach rund 30 km befand, war zwar stark, allerdings wurde nur sporadisch zusammen gearbeitet und sich in der Führungsarbeit abgewechselt. Als nach ungefähr der Hälfte des Rennens mit dem Hemeln der längste Anstieg des Rennens kam, zerfiel die Gruppe und jeder fuhr sein eigenes Tempo. Meine Beine fühlten sich nach wie vor sehr gut an und so konnte ich den Hemeln hinauf viele Plätze gut machen. Langfristig gesehen noch besser war der Umstand, dass ich kurz vor der Kuppe des Berges zwei ziemlich starke Fahrer überholte, die in der Abfahrt wieder zu mir aufschlossen und von da an mit mir zusammen arbeiteten. Zu dritt ergänzten wir uns tatsächlich ausgezeichnet, holten einzelne Fahrer und sogar ganze Gruppen ein, von denen sich uns hin und wieder Fahrer anschlossen – auch wenn sie nach einigen Kilometern wieder den Anschluss verloren.

Rund 20 km vor dem Ziel stand mit dem Hohen Hagen der zweite große Berg und die finale Herausforderung an. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt die Erschöpfung deutlich spüren konnte, war ich mit meiner Leistung sehr zufrieden. Außerdem waren die Fahrer um mich herum alle mindestens genauso erschöpft wie ich, sodass ich den Hohen Hagen hinauf erneut viele Plätze gut machen konnte. Die als gefährlich geltende Abfahrt konnte ich zum Glück alleine und auf mich selbst konzentriert fahren. Im Tal angekommen, schloss ich zu einem anderen Fahrer auf, der allerdings, von Krämpfen geplagt, keine Führungsarbeit mehr leisten konnte. Mittlerweile total erschöpft, ließ ich mich von einer herannahenden Gruppe einholen, in der sich auch meine beiden Mitstreiter seit dem Hemeln befanden.

Mit dieser Gruppe ging es die letzten Kilometer mit sehr hohem Tempo bis ins Ziel. Kraft zum Sprinten hatte ich keine mehr, was mich mit Blick auf meine Zeit, Durchschnittsgeschwindigkeit und Platzierung kaum störte. Die 104 km legte ich in einer Zeit von 2:32:18,2 h mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 39,39 km/h zurück, was den 97. Gesamtrang und den 27. Platz in meiner Altersklasse bedeutete. Viel besser hätte mein erstes Rennen nicht verlaufen können.