Die große Hafenrundfahrt – Cyclassics 2018

Am 19.08.2018 nahm das fahrstil-Team mit insgesamt vier Fahrern an der diesjährigen Auflage der Euroeyes Cyclassics in Hamburg teil. Während sich Peter als Dauergast bei den Cyclassics und Benaja sowie Simon als starke Fahrer im Flachen sehr auf die Cyclassics freuten, hatte ich als relativ leichter Bergfahrer ein eher mulmiges Gefühl. 160km im Flachen – für mich eine ziemlich schreckliche Vorstellung. Auf der anderen Seite freute ich mich jedoch auf die Cyclassics, denn nach einem zufälligen Besuch meinerseits im Jahr 2011, war ich auf der gleichzeitig stattfindenden Messe vor Ort und saß erstmals auf einem Rennrad. Ich war sofort begeistert und begann – damals noch als Student – auf ein eigenes Rennrad zu sparen. Seitdem stand für mich fest, dass ich unbedingt einmal an den Cyclassics teilnehmen wollte. Von Radmarathons wie dem Ötztaler hatte ich damals noch nie etwas gehört.

Text: Frederik Böna
Fotos: Skoda Deutschland, Peter Sandmann, Simon Hoffmann

Nun, genau sieben Jahre später, war es also tatsächlich so weit und ich stand gemeinsam mit meinem Team am Start. Leider mussten wir im Skoda-Block dieses Mal sehr weit hinten starten. Eine vordere Platzierung auf einem derart flachen Kurs war damit von Anfang an ausgeschlossen. Unsere Ziele waren dennoch durchaus sportlich: Ein 40er Schnitt und vor allem ein gutes Mannschaftsergebnis.

Als um 08:45 unser Startblock ins Rennen geschickt wurde, ergriffen Simon, Benaja und ich sofort die Initiative und führten den gesamten Skoda-Block an. Von Anfang an überholten wir vor uns gestartete Fahrer und oft auch ganze Gruppen. Einigen Fahrern gelang es, sich unserer Gruppe anzuschließen, andere verloren dafür den Anschluss. Unsere Gruppe blieb daher zahlenmäßig lange Zeit in etwa gleich groß. Ebenfalls unverändert führten weiterhin Benaja, Simon und ich diese große Gruppe weiter an. Wir drei wechselten uns gut im Wind ab, ansonsten gab es leider wenig Unterstützung durch andere Fahrer. Nach rund 40km stieß aber auch ich immer mehr an meine Grenzen, was das Fahren in Wind anging und ich reihte mich immer wieder etwas weiter hinten in unserer Gruppe ein. Während ich dadurch immer wieder die Möglichkeit hatte, mich mit Peter auszutauschen und sein geschicktes Verhalten im Feld bewundern konnte, machten Simon und Benaja weiter Tempo, nun aber größtenteils alleine. Unglaublich, was die Beiden da hinlegten! Immerhin bekamen sie nun hin und wieder Unterstützung von zwei Fahrern, welche die 100km-Strecke fuhren und sich offenbar unserer Gruppe angeschlossen hatten, als wir sie von hinten einsammelten. Für den größten Teil der Tempoarbeit war jedoch nach wie vor das fahrstil-Team zuständig.

Ich persönlich hatte immer größere Probleme, das hohe Tempo mitzugehen – physisch wie auch mental. Mir fehlten schlichtweg die Berge. Peter hatte mich zwar im Vorfeld etwas beruhigt, als er mir sagte, dass es nach 110km welliger werden würde, doch bis dahin war es noch sehr weit. Nach etwas mehr als 100km bog ein Großteil unserer nach wie vor sehr großen Gruppe links ab, während wir stark dezimiert rechts abbogen und die letzten rund 60km in Angriff nahmen. Unsere Gruppe war nun nur noch rund zehn Fahrer stark. Erst hier merkten wir, wie viele Fahrer unser und vor allem das von Benaja und Simon eingeschlagene Tempo nicht mitgehen konnten. Bei Benaja machte sich nun allerdings der Hochzeitsstress der vergangenen Tage bemerkbar. Während es für ihn nach der unglaublichen Tempoarbeit immer schwerer wurde, das Tempo zu halten, fühlte ich mich immer besser, auch weil ich wusste, dass bald Peters angekündigte Hügel kommen würden. Nachdem Benaja sich in unserer Gruppe zum ersten Mal etwas weiter hinten einordnete, fuhr ich daher wieder nach vorne, um Simon zu unterstützen, der nach wie vor keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zeigte. Das Tempo unserer kleinen Gruppe war weiterhin sehr hoch, sodass wir weiter zahlreiche Fahrer und selbst größere Gruppen überholten. Da es hierbei immer wieder einigen Fahrern gelang, sich unserer Gruppe anzuschließen, wuchs unsere kleine Gruppe schnell wieder deutlich an. Nach rund 110km ging es zum ersten Mal tatsächlich etwas steiler und länger bergauf! Endlich war ich in meinem Element! Auch wenn ich noch nicht am Anschlag fuhr, reichte mein Tempo aus, um unsere Gruppe zum Platzen zu bringen. Als ich mich kurz vor der Kuppe umdrehte und zurückblickte, sah ich zu meiner Freude, dass Simon mein erster Verfolger war. Absolut irre, woher er diese Kraft nimmt! Ich nahm etwas an Tempo raus, wartete auf ihn und zu zweit versuchten wir, unseren Verfolgern davon zu fahren. Auch wenn wir wussten, dass die Erfolgsaussichten hierfür mehr als nur sehr klein waren, wollten wir es dennoch versuchen. Doch so gut wir zu zweit auch zusammen arbeiteten, hatten uns etwa 10km später die Verfolger doch wieder gestellt. Erfreulicherweise waren auch Peter und Benaja in der Gruppe der Verfolger, die mittlerweile deutlich kleiner geworden war.

Zur endgültigen Selektion führte schließlich der Kösterberg nach rund 145km. Erneut setzte ich mich von unserer Gruppe ab, dieses Mal aber entschiedener als zuvor. Lediglich fünf Fahrern gelang es in der anschließenden Abfahrt die Lücke wieder zu schließen – erneut war Simon unter den Verfolgern. Zu sechst und nach wie vor mit sehr hoher Geschwindigkeit legten wir die noch verbleibenden ca. 20km zurück. Die letzten Meter waren Freude pur. Angefeuert von zahlreichen Zuschauern flogen wir mit fast 50km/h dem Ziel entgegen, das Simon und ich in einer Zeit von knapp 4:02 Stunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 40,53km/h erreichten. Peter und Benaja folgten wenige Minuten später.

 

Unsere Ergebnisse:

Frederik: Platz 153 insgesamt, Platz 25 in der Altersklasse

Simon: Platz 155 insgesamt, Platz 45 in der Altersklasse

Peter: Platz 247 insgesamt, Platz 50 in der Altersklasse

Benaja: Platz 551 insgesamt, Platz 57 in der Altersklasse