Brevetto di Monte Nerone

Schon seit Jahren fiel mir während meines Trainingslagers an der Adria im Hintergrund der Region Marken ein mächtiger schwarzer Berg auf. Nach dem Studium diverser Landkarten und Recherchen im Internet stieß ich auf den Monte Nerone – den schwarzen Berg. Als Radsportler interessierte mich dabei natürlich auch die Möglichkeit diesen Gipfel auf zwei Rädern und aus eigener Kraft zu bezwingen. Im weiteren Verlauf meiner Neugier landete ich beim Brevetto di Monte Nerone, einer ganz besonderen Herausforderung für bergfeste Radfahrer.

Text und Fotos: Timo Rokitta

So kam ich in Kontakt mit Giordano, dem Organisator des Brevetto. Die Besonderheit der Prüfung liegt darin, den Berg von drei verschiedenen Seiten her hochzufahren und dies nachzuweisen. Ich verabredete mich deshalb mit Giordano während meines alljährlichen Trainingslagers im April und war kurz vor 9 Uhr in der Bar Dante in Apecchio. Giordano empfahl mir aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse ein Gravelbike, da mit Schotter und zerstörten Straßen zu rechnen sei. Also packte ich mein OPEN mit breiten 47er Reifen in den Kofferraum. 

Fast pünktlich erschien Giordano mit zwei weiteren italienischen Rennradfahrern im vorgeschrittenen Alter in der Bar. Auf dem Gruppenfoto am Start war ich im Vergleich zu den Italienern der größte und mit Abstand auch der jüngste der Gruppe. Besonders beeindruckt hat mit Alfonso, der mit 81 Jahren den Schnitt der Gruppe doch gewaltig anhob. Ich freute mich auf eine lockere gemeinsame Auffahrt zum Monte Nerone als Giordano anmerkte, dass die drei nur einmal hochfahren würden und oben zum Essen auf mich warten, nachdem ich dann die zweite Auffahrt gemeistert hätte. Danach müsste ich nur noch die dritte und härteste Auffahrt bewältigen.

Ich fuhr dann auch zügig los, denn was mich erwarten würde war mir noch nicht klar. Am Ortsausgang von Apecchio ging es leicht bergab und es rollte relativ zügig. Die erste kleine Steigung nach Serravalle stellte ich der noch kühlen Morgenluft keine große Herausforderung dar. Hier ging es links dann berghoch zur ersten Auffahrt. Die Steigungen waren hier gut ausgeglichen und der Belag für Italien relativ gut – die Ausblicke in Richtung Toskana und Emilia Romagna mehr als beeindruckend. An einem Brunnen wenige Kehren unterhalb der Berghütte schüttete mir kühles Bergwasser über den Kopf und so war ich nach 1:17 Minuten zum erstenmal oben für den ersten Stempel in der Berghütte. Ohne viel Zeit zu verlieren raste ich bergab ins Tal und traf am Einstieg bei Serravalle meine drei neuen italienischen Freunde. An der Spitze machte Alfonso das Tempo und alle sahen doch schon etwas angezählt aus.

Von Serravalle geht es links dann immer weiter bergab zum Ausgangspunkt für den zweiten Gipfelsturm. In Pianello fand ich schnell die Bar, die mir meine Karte stempelte. Drei italienische Rennradfahrer tranken gerade ihren Espresso und wollten augenscheinlich auch den Monte Nerone erstürmen. Gegenüber der Bar füllte ich mir an einem Brunnen noch frisches Quellwasser in meine Wasserflaschen. Ich entdeckte als ich gerade in die Pedale einklicken wollte eine Hinweistafel zum Anstieg. In mehr als 20 Kehren geht es auf 16 km und mit 1.100 Höhenmetern hoch zum Monte Nerone. Wie auf der Hinweistafel zu lesen war, fand auf dieser Strecke schon zweimal eine Etappe des Giro d`Italia statt –  zuletzt 2009. Hinter Pianello überholte die drei Italiener, die verwundert auf mein Gravelbike schauten als ich vorbeirausche. Vor dem einzigen Ort auf dieser Strecke in Cerreto überholte mich eine Gruppe mit Halbprofis, deren Tempo ich nicht mitgehen konnte. Die Steigung blieb bis zum höchsten Punkt immer konstant bei 10 % und wurde auch aufgrund des Windes immer anstrengender. Kurz vor dem höchsten Punkt sorgten ein paar Wildpferde die hier grasen noch für Abwechslung. Endlich oben angekommen machte ich ein paar Fotos vor dem Giro d`Italia Denkmal. Danach rollte ich entspannt zur Berghütte und genoss eine Riesenportion Pasta mit Pilzen mit meinen neuen italienischen Freuden, die eine halbe Stunde für ihre einzige Auffahrt vor mir oben waren. Als ich gerade wieder zu meiner letzten Auffahrt ins Tal rauschen will kam Fiorella eine italienische Radfahrerin in die Hütte, die am heutigen Tag auch den Mnote Nerone befährt, jedoch nur einmal. Wie auf der Facebookseite des Brevetto del Monte Nerone zu lesen ist, besteht ihr Hobby wohl ausschließlich darin diesen Berg hochzufahren.  

Unten im Tal in Piobicco ließ ich mir in einer Bar die Wasserflaschen für die finalen Gipfelturm nochmals auffüllen. Es wurde jetzt richtig heiß und die Luft fühlte sich gewittrig an. An der Abzweigung zum Einstieg warnet ein großes Schild und rät von der Befahrung ab. Da das kleine verfallene Sträßchen im Schatten der Bäume liegt, ist es zunächst noch gut befahrbar. Ab ungefähr der Hälfte der Strecke wurde die Fahrbahn immer schlechter und oftmals ging es über Schotter bergauf. Auf der gesamten Auffahrt traf ich keine einzigen Menschen, dafür waren die Ausblicke in Richtung Norden im spektakulärer. Die dritte und letzte Auffahrt war zweifelsfrei die härteste der Prüfungen am Monte Nerone. 

Nach gut 5 Stunden feuerten mich Giordano und Fiorella am höchsten Punkt auf 1.500 Metern Höhe kurz vor der Sendestation frenetisch an. Sie gratulierten mir herzlich und schossen Erinnerungsfotos. Die finale Abfahrt hinunter nach Apecchio war dann nur noch Formsache und das Eis in der Bar Dante, dem Start meiner Prüfung schmeckte mir umso besser. Nach 110 Kilometern und 3.500 Höhenmetern hatte ich mir dieses auch redlich verdient.   

Die Anstiege:

von Piobbico 13,4 km und 1165 Hm 

von Pianello 16,8 km und 1167 Hm

von Pian di Molino 16 km und 1080 Hm 

Infos:

Brevetto di Monte Nerone

Facebook

Übrigens: Timo organisiert den Nibelungen Gravel Ride, der am 9. Juni ab Worms für gute 140km durch die “Toskana Deutschlands” führt.

Für Kurzentschlossene – es gibt noch Startplätze!